Darf ich auch mal auf den dementen Vater wütend werden?

Sie haben einen Angehörigen, den Sie teilweise oder vollständig versorgen? Das ist so weit auch in Ordnung, denn natürlich wollen Sie ihm oder ihr zurück geben, was Sie zu Beginn Ihres Lebens von der Person an Zuneigung, Tipps, Hilfe und Unterstützung erhalten haben. Nun ist aber mancher demente Mensch nicht gerade einfach, das muss nicht einmal einem bösen Willen geschuldet sein. Der Verwandte ist öfter gedanklich in anderen Welten, kann sich im Dickicht der vielen Eindrücke des Lebens nur noch schwer zurecht finden. Das sollten Sie berücksichtigen und sich fragen, ob Ihr Vater, der eine fortschreitende Demenz hat, wirklich mit „normalen“ Maßstäben zu messen ist. Das hilft in der einen oder anderen unschönen Situation sicher weiter. Dennoch: Es gibt Grenzen, und die sollten Sie auch im Blick haben.

Auch das gibt es: ein Burn-out bei pflegenden Angehörigen

Dass Sie Vater oder Mutter aus Liebe oder Pflichtgefühl pflegen, ist gut und dient als Grundlage all Ihrer Handlungen. Dennoch, Sie müssen auch sich selbst im Blick behalten, wenn Sie in dem „Ich muss Verständnis haben!!“ Karussell nicht untergehen wollen. Sonst, und das ist ein häufig beobachtetes Phänomen, kann Ihnen ein heftiges Burn-out drohen, ein Nichts geht mehr, und Sie denken, dass Sie nicht nur ein Mal noch „Ich muss morgen zur Bank“ oder „Wann kommt Klara (die schon lange tot ist) wieder?“ hören wollen. Die Frage, ob Sie auch mal auf den dementen Vater wütend werden dürfen, hat sich damit schon beantwortet. Ja, Sie dürfen, man könnte fast sagen, Sie müssen dies sogar, denn alles Andere würde bedeuten, dass Sie den Angehörigen überhaupt nicht mehr ernst nehmen. Er ist nicht mehr geistig voll fit, aber als Person ist er doch noch vorhanden.

Bevor es knallt …

Wenn Ihnen die Vorstellung, Ihren Vater anzuschreien, total missbehagt, schaffen Sie sich Inseln, also Nachmittage oder ganze Tage, an denen Sie den Angehörigen einfach nicht betreuen. Das sollten Sie mit der Krankenkasse besprechen oder sich im Umfeld umsehen, ob nicht Freunde oder Nachbarn sich kümmern können. Was spricht dagegen, dass ein Nachbar den Vater bei sich auf der Terrasse sitzen lässt, hin und wieder das Wort an ihn richtet? Sie können in der Zeit alles tun, was Sie tun müssen oder wollen, und kommen einigermaßen erholt wieder zurück. Und fangen frisch an mit der Aufgabe, den Angehörigen zu betreuen.

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